Was sind eigentlich Assistenzhunde?

Assistenzhunde sind Hunde, die ihrem Menschen assistieren, ihm helfen.

Das wäre eine kurze und bündige Erklärung dessen, was ein Assistenzhund eigentlich ist. Doch wie so oft ist die Sache natürlich nicht so einfach – und für eine klare Kommunikation sowie als Voraussetzung für gesetzliche Regelungen müssen auch der Assistenzhund und seine Aufgaben definiert sein.

Die Aufgaben eines Assistenzhundes sind vielfältig. Assistenzhunde können Menschen mit körperlicher oder psychischer Einschränkung helfen. Blindenführhunde sind die bekanntesten Assistenzhunde. Im Web findet man viele und auch unterschiedliche Aufzählungen. Hier der Versuch einer Zusammenfassung:

Blindenführhunde

Blindenführhunde sind speziell ausgebildete Hunde, die ihrem Menschen das Augenlicht ersetzen und ihn so mobiler machen. Die Hunde führen ihren Menschen an einem speziellen Geschirr, das eine feste, starre Verbindung zwischen Hund und Mensch ermöglicht. So spürt der Hundeführer jede Bewegung des Hunde und kann sich sicher in seiner Umwelt bewegen. Allerdings benötigt jedes Team aus Mensch und Hund eine mehr oder weniger lange Zeit, um sich aufeinander einzustellen. Es dauert einige Wochen oder Monate bis diese Sicherheit und das notwendige Vertrauen in den Hund vorhanden ist.

Der Blindenführhund oder Blindenhund führt seinen Menschen um Hindernisse herum, zeigt Ampeln, Bordsteinkanten und Unebenheiten an. Er kennt bestimmte Wege und führt seinen Menschen sicher zum Ziel, auch dann, wenn Hindernisse den üblichen Weg verstellen. Insofern muss der Hund sowohl passiven Widerstand leisten können (als Warnung vor Hindernissen), als auch selbständig Hindernisse überwinden lernen.

Die Ausbildung eines Blindenführhundes beginnt früh. (Quelle: smerikal via Visual hunt / CC BY-SA)

Die Ausbildung eines Blindenführhundes ist daher sehr zeitaufwändig und beginnt bereits mit der Zuchtauswahl und der Aufzucht im frühesten Welpenalter.

Ein Blindenführhund lernt, geradeaus zu führen, links und rechts zu unterscheiden und Hindernisse aller Art, am Boden, auf der Seite und in Kopfhöhe des Menschen, anzuzeigen oder zu umgehen. Das Aufsuchen von Fussgängerstreifen, Treppen, Türen, Ticketschaltern, freien Sitzplätzen und öffentlichen Verkehrsmitteln gehört ebenfalls zur Grundausbildung. Am Ende seiner Ausbildung kann ein Blindenführhund mindestens rund 30 Hörzeichen unterscheiden und ausführen.“ (Quelle: Flyer der Blindenführhundeschule Allschwil)

Als Hunderassen kommen alle Hunde in Betracht, die einen hohen Bezug zum Menschen aufweisen. Wichtig ist auch eine zum Menschen passende Körpergröße (ca. 55 bis 65 cm Widerristhöhe), um ein angenehmes Laufen zu ermöglichen.

Die bekannteste Hunderasse für die Ausbildung zum Blindenführhund ist der Labrador. Schäferhunde, Großpudel, Riesenschnauzer, Golden Retriever oder Flat Coated Retriever sind jedoch ebenso gut zu Blindenführhunden auszubilden. Selbst Airedale Terrier findet man zuweilen als Blindenführhunde.

Blindenführhundeschulen in Deutschland findet man über die Webseiten der einschlägigen Vereine. In der Schweiz gibt es eine Blindenführhundeschule (Allschwil, Nähe Basel), die auch den süddeutschen Raum mit abdeckt.

Der Blindenführhund ist im übrigen der einzige Assistenzhund, der von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannt ist und dessen Finanzierung unter bestimmten Voraussetzungen bezuschusst wird.

Signalhunde

Unter dem Begriff Signalhunde lassen sich viele verschiedene Assistenzhunde subsummieren: Gehörlosen-Assistenzhunde, Diabetikerwarnhunde, PTBS-Assistenzhunde, Epilepsie-Warnhunde oder andere medizinische Warnhunde. Bis auf ersteren werden diese Hunde häufig auch als medizinische Signalhunde bezeichnet.

Da wären zum einen die Gehörlosenhunde, die für Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen Alltagsaufgaben übernehmen können. Dazu gehört zum Beispiel das Bringen des Telefons, wenn es klingelt. Oder auch das Anzeigen – Signalisieren – von Türklingel, Backwecker oder anderen akkustischen Signalen, die taube Menschen nicht wahrnehmen können.

Unter den medizinischen Signalhunden dürften die Diabetikerwarnhunde und die PTBS-Assistenzhunde die häufigsten Aufgaben für ihre Menschen übernehmen.

Diabetikerwarnhunde

Weil der Hund einen so gut ausgebildeten Geruchssinn hat, kann er Hypo- oder Hyperglykämien riechen und seinen Menschen warnen. (Quelle: pmarkham on VisualHunt / CC BY-SA)

Diabetikerwarnhunde sind die Signalhunde unter den Assistenzhunden, die zur Aufgabe haben, einen abnormen Blutzuckerabfall oder -anstieg ihres Menschen anzuzeigen. Sie sind darauf trainiert, den veränderten Körpergeruch wahrzunehmen. Fällt der Zuckerspiegel ihres Menschen, zeigen sie das zum Beispiel eskalierend durch Stupsen mit der Nase, Lecken oder Bellen an. Sie können Blutzuckermessgeräte bringen, Colaflaschen holen oder im Notfall sogar die Rettungskette in Gang setzen, wenn sich der Notfallknopf in Reichweite befindet.

Hilfreich ist das besonders für Eltern, wenn ihre Kinder nachts häufige Blutzuckerschwankungen haben. Der Hund zeigt diese zuverlässig an und dass ständige nächtliche Überwachen der Kinder entfällt. Die Eltern können wieder ruhig schlafen. Aber auch für Erwachsene, deren Blutzucker aufgrund der Art ihres Diabetes schnell und unerwartet abfallen kann, sind Diabetikerwarnhunde eine sinnvolle zusätzliche Absicherung.

PTBS-Assistenzhunde

PTBS-Hunde hingegen übernehmen für ihre Menschen sehr individuelle Aufgaben. „Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) tritt als eine verzögerte psychische Reaktion auf ein extrem belastendes Ereignis, eine Situation außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmaßes auf.  Die Erlebnisse (Traumata) können von längerer oder kürzerer Dauer sein, wie z.B. schwere Unfälle, Gewaltverbrechen, Naturkatastrophen oder Kriegshandlungen, wobei die Betroffenen dabei Gefühle wie Angst und Schutzlosigkeit erleben und in Ermangelung ihrer subjektiven Bewältigungsmöglichkeiten Hilflosigkeit und Kontrollverlust empfinden.“ (Quelle: https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org)

PTBS-Hunde helfen ihrem Menschen, in dem sie ihn beispielsweise in schwierigen Situationen abschirmen, zuerst durch Türen gehen, Licht einschalten oder einfach eine körperliche Berührung herstellen, um der Hilflosigkeit und dem Kontrollverlust entgegen zu wirken. Dabei kommt hinzu, dass wir Menschen bei der Berührung, dem Streicheln eines Hundes, Hormone ausschütten, die unseren Stresslevel senken. Aus dieser Beschreibung wird bereits deutlich, dass die Ausbildung eines PTBS-Assistenzhundes sehr individuell ist und mit dem Patienten zusammen erarbeitet werden muss.

Eine tolle Beschreibung und noch viel mehr Infos zu PTBS-Assistenzhunden findet ihr bei Beas Bärenbrüdern, dem Blog von Bea und ihren PTBS-Assistenzhunden Valentino und Connor.

Epilepsie-Warnhunde

Epilepsie-Warnhunde zeigen einen beginnenden Anfall durch Lecken, Kratzen, Knabbern oder andere antrainierte Verhaltensweisen an. Dem Patienten bleibt dann noch Zeit sein Notfallmedikament einzunehmen. Einen Beitrag zu Aufgaben und Ausbildung dieser Hunde hat das ZDF im Februar 2017 gesendet.

Servicehunde

Als Rollibegleithunde oder Servicehunde werden Assistenzhunde bezeichnet, die Menschen mit körperlichen Einschränkungen helfen können. (Quelle: Wikipedia)

Als Servicehunde werden diejenigen Assistenzhunde bezeichnet, deren Hauptaufgabe es ist, körperliche Einschränkungen ihrer Menschen auszugleichen. Sie werden umgangssprachlich auch als Rollibegleithunde bezeichnet, wobei es nicht zwingend notwendig ist, dass ihre Besitzer zur Fortbewegung auf einen Rollstuhl angewiesen sind.

Die Aufgaben der Servicehunde sind ebenso vielfältig, wie die unterschiedlichen Einschränkungen ihrer Besitzer. Typische Aufgaben sind beispielsweise das Aufheben von Gegenständen, Hilfe beim Ausziehen von Kleidungsstücken, das Betätigen von (Licht-)schaltern oder Tasten und Knöpfen jeder Art, das Öffnen und Schließen von (Schrank-)Türen, das Ein- und Ausräumen der Waschmaschine, das Aufräumen der Wohnung und das Bringen bestimmter Gegenstände (z.B. Telefon). Servicehunde tragen in Rückentaschen auch die Einkäufe nach Hause.

Eine wichtige psychosoziale Aufgabe dieser Assistenzhunde ist es aber vor allem, den Menschen wieder in den Alltag zu integrieren, ihm mehr Eigenständigkeit zurückzugeben. Und nicht zu unterschätzen ist die Tatsache, dass bei menschlichen Begegnungen außerhalb der eigenen vier Wände dann nicht mehr die Körperbehinderung im Mittelpunkt der Wahrnehmung steht, sondern der Hund – und damit auch der Mensch selbst und nicht seine Behinderung.

Wie seht ihr das? Habe ich an alle Assistenzhunde gedacht? Sind die Aufgaben korrekt beschrieben? Gibt es weitere Arten von Assistenzhunden? Schreibt Eure Anregungen gerne als Kommentar – ich freue mich darauf.

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