„Wir wünschen uns ein geregeltes Assistenzhundewesen und etwas mehr Gehör“

Profihund im Gespräch: Der AKAD wünscht sich ein geregeltes Assistenzhundewesen. (Foto: Kapa65 / Pixabay)

Ein geregeltes Assistenzhundewesen ist Voraussetzung für eine bessere Qualität, für gesetzliche Regelungen und mehr Gehör bei den Krankenkassen. So lässt sich das Hauptanliegen des AKAD zusammenfassen. In der Reihe „Vereine, Verbände … und viele Fragen“ führt Profihund mit den Verantwortlichen kurze Gespräche, um die Organisation etwas besser vorstellen zu können. Für den AKAD – Arbeitskreis für Assistenzhunde in Deutschland sprachen mit uns Sina Rademacher und Dr. Anke Görlinger.

Profihund: Wann wurde der AKAD gegründet?
Dr. Anke Görlinger: Der Arbeitsrkeis hat sich nach einer Infoveranstaltung Anfang 2016 in Hamburg gebildet. Derzeit arbeiten 25 Personen aktiv mit. Darüber hinaus ist es möglich per Facebook oder in unserem Forum als „externe Stimme“ mitzuwirken.

Profihund: Wer sind diese 25 aktiven Mitwirkenden?
Dr.
Görlinger: Das sind TrainerInnen, Betroffene, TherapeutInnen, PädagogInnen, TierärztInnen und auch Mitglieder von Stiftungen. Alle haben mit dem Thema „Assistenzhund“ zu tun. Wir sind derzeit kein Verein, sondern haben einen relativ festen Kern, der Arbeitsschritte vorbereitet oder erarbeitet, diese dann den „Mitgliedern“ vorstellt, die weniger Zeit investieren können, aber gern mitdiskutieren und mitgestalten möchten. Die so entstandenen Ergebnisse werden dann veröffentlicht und weiterverfolgt.

Profihund: Auf welche Widerstände stoßen Sie bei Ihrer Arbeit?
Sina Rademacher: Wir wenden uns hauptsächlich an die Politik und die Krankenkassen, die zum Thema „Assistenzhund“ die gesetzlichen Rahmenbedingungen vorgeben oder die finanziellen Entscheidungen fällen. Leider stoßen wir sehr häufig auf Interesselosigkeit und ja, auch auf Ignoranz. Die Lobby für das Assistenzhundewesen ist vergleichsweise klein. Sich mit diesem Thema zu beschäftigten erfordert viel Zeit und ist nicht besonders öffentlichkeitswirksam.

Logo des AKAD – Arbeitskreis für Assistenzhunde Deutschland (Foto: AKAD)

Profihund: Erhalten Sie Unterstützung?
Rademacher: Nein, wir werden bisher finanziell von niemandem unterstützt.

Profihund: Das Thema „Qualität“ scheint für viele in der Branche wichtig. Warum?
Dr. Görlinger:
Der Beruf des/r Assistenzhundetrainers/-in ist in Deutschland nicht geregelt, ebenso wenig wie die Fähigkeiten, die ein Assistenzhund erwerben muss. Jeder, der sich berufen fühlt, kann Assistenzhunde ausbilden. Ausbildung und berufliche Qualifikationen können nicht verglichen werden und selbst eine gewisse Basisausbildung ist nicht vorgeschrieben. Lediglich die Vorgaben des §11 des TschG, die fast in jeder Gemeinde unterschiedlich aufgefasst werden, müssen erfüllt werden. Diese gelten aber bereits für professionelle Dogwalker (Gassigänger) oder „normale“ Hundetrainer.

Profihund: Und zur Qualitätssicherung braucht es eine Definition des „Assistenzhundes“ und gesetzliche Regelungen?
Dr. Görlinger: Ja, denn erst die verbindliche Definition und die gesetzlichen Regelungen schaffen die Voraussetzungen, um Ausbildungsstätten miteinander vergleichen zu können. Es könnte eine bessere Qualität sichergestellt werden, da Ausbildungsziele und die Fähigkeiten des Hundes definiert wären. Außerdem könnten künftige AssistenzhundehalterInnen kompetenter beraten und geschult werden. Darüber hinaus würde auch der Tierschutz im Umgang mit den Assistenzhunden verbessert.

Profihund: Was konnte der AKAD bisher erreichen?
Dr. G
örlinger: Für uns ist es bereits ein Erfolg, dass wir eine sinnvolle Definition des Begriffes „Assistenzhundes“ schaffen konnten, die auch in den Gremien der Sozialministerien vorgestellt wurde. Leider stehen wir erst am Anfang unserer Pläne und müssen auch jetzt erst einmal die weiteren politischen Entwicklungen im Zuge der kommenden Bundestagswahlen abwarten, ehe wir wieder intensiver und gezielt tätig werden können.

Profihund: Gab es auch schon Misserfolge in der jungen Historie des Arbeitskreises?
Rademacher: Frustrierend ist für uns, dass wir bisher kein Interesse und Nachdenken bei den Krankenkassen auslösen konnten. Auch eine direkte Kontaktaufnahme zum Gespräch war bisher nicht möglich.

Profihund: Welchen Rat können Sie denjenigen geben, die sich für einen Assistenzhund interessieren?
Dr. Görlinger: Das wichtigste für AssistenzhundehalterInnen ist die vernünftige Informationsbeschaffung. Wer sich für einen Assistenzhund interessiert, sollte sich über die eigenen Möglichkeiten und das Wissen im Hinblick auf einen Hund im Klaren sein. Er sollte seine eigenen Bedürfnisse – und die des Hundes – vernünftig einschätzen können. Außerdem sollte er mit einem Netzwerk aus betreuenden ÄrztInnen und TherapeutInnen auf der einen Seite und dem/der AssistenzhundetrainerIn auf der anderen Seite zusammenarbeiten wollen.
Rademacher: Und natürlich sollte sich der/die InteressentIn sich unbedingt über die fachlichen Qualifikationen seiner Ausbildungsstätte informieren und die Ausbildung aufmerksam dokumentieren. Fragen können gern an die Poststelle des AKAD gerichtet werden und werden dann von uns an die Mitglieder des Arbeitskreises weitergeleitet, die für die jeweilige Frage das Sachwissen besitzen.

Profihund: Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Assistenzhundewesens?
Dr. Görlinger: Wir wünschen uns ein geregeltes Assistenzhundewesen, ein gutes Netzwerk aus gut ausgebildeten, eng zusammenarbeitenden TrainerInnen und eine enge Zusammenarbeit mit allen dazugehörenden Berufsgruppen. Außerdem wünschen wir uns ein größeres Interesse am Thema „Assistenzhund“ in der Politik und bei den Kostenträgern und etwas mehr Gehör.

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